Stress : Freund oder Feind? – Was ist Stress? (1)

Stress. Wenn man dieses Wort alleine schon hört, schrillen sofort die Alarmglocken. Stress ist mit negativen Emotionen verknüpft. Auch der Duden schlägt einem als Synonyme Wörter wie „Anspannung, Anstrengung, Beanspruchung, Belastung“ vor. Stress ist für uns also immer schlecht! Aber stimmt das wirklich? Gehen wir dem ganzen doch einmal genauer auf den Grund. In diesem Artikel, Teil 1 der Stress Reihe, erfährst du ganz objektiv was genau Stress eigentlich ist.

 

Was ist Stress?

Unser vegetatives Nervensystem ist zuständig für die Funktion unserer Organe arbeitet genau wie unsere Muskeln immer im Team. So gibt es auch hier einen Spieler, den Sympathikus, und seinen Gegenspieler, den Parasympathikus. Die beiden sind im Normalzustand unseres Körpers in Homöostase, also im Gleichgewicht. Der Sympathikus versetzt einen in Alarmbereitschaft, während der Parasympathikus eher einen entspannten Zustand bewirkt.

Sympathikus: Fight or Flight (Kampf oder Flucht)

Parasympathikus: Rest and Digest (Pause und Verdauung)

Stress ist eine ganz normale und auch sinnvolle Reaktion unseres Körpers bedingt durch die Evolution. Durch einen Auslöser, Stressor, versetzt der Sympathikus unseren Körper in Alarmbereitschaft, wir haben Stress oder wie der Duden sagt: stehen unter einer „erhöhten Belastung“. Aber was genau passiert jetzt mit unserem Körper?

 

Physiologische Stressreaktion

Unser Körper möchte sich gerne an den Stressor anpassen. Beispiel: Ein Säbelzahntiger ist hinter uns her. Natürlich wollen wir nicht von ihm gefressen werden. Also was passiert:

Es werden vermehrt Botenstoffe, Hormone wie zum Beispiel Adrenalin, ausgeschüttet, die unsern Körper dazu bringen sich an die Situation anzupassen und leistungsfähiger zu werden.

  1. Herz-Kreislauf-System
    Unser Herz fängt an schneller zu schlagen und unser Blutdruck geht ebenfalls in die Höhe. So sorgt unser Körper für eine bessere Durchblutung der wichtigen Stellen. Das ist einmal das Gehirn, ohne Gehirn funktioniert nichts, und zum anderen unsere Skelettmuskulatur. Außerdem weiten sich unsere Bronchien und wir atmen schneller und tiefer. Sodass durch die bessere Durchblutung auch eben vermehrt Sauerstoff im Gehirn und in der Muskulatur ankommt.

  1. Muskulatur
    Nicht nur die Durchblutung der Muskulatur wird erhöht, sondern auch ihre Grundspannung. Denn uns allen ist klar, ein völlig entspannter Muskel kann nicht von Jetzt auf Gleich Höchstleistungen vollbringen. (Als kleiner Selbstversuch: Macht doch mal einen Klimmzug. Allerdings versucht ihr euch einmal hochzuziehen, während ihr vorher einfach nur ganz schlaff an euren Armen hangt und dann versucht ihr einen Klimmzug aus einer gewissen Vorspannung aus den Armen zu machen. Springt dafür vielleicht an die Stange ran. Was stellt ihr fest?)

  1. Stoffwechsel
    Der Körper mobilisiert seine Vorräte, die er grade im Körper hat, damit Muskulatur und Gehirn zusätzlich zum Sauerstoff auch bestens mit Energie versorgt sind. Währenddessen wird aber die Energiegewinnung durch die Verdauung herunter geschraubt. First Things First. Verdauung brauchen wir halt einfach in dem Moment nicht, wenn wir vor dem Säbelzahntiger weglaufen.

  1. Konzentration
    Zusätzlich zur gestärkten körperlichen Leistungsfähigkeit, sind wir in der akuten Stresssituation auch viel aufmerksamer, sind bereit auf jede Kleinigkeit zur reagieren und können uns besser konzentrieren. Achtung! Man neigt aber in diesem Zustand leicht dazu in einen „Tunnelblick“ zu verfallen. Man konzentriert sich sehr auf eine bestimmte Sache und verliert den Überblick über das ganze Geschehen.

 

Phasen des positiven Stressverlaufs

So jetzt wissen wir, was so circa in unserem Körper passiert. Klingt doch erstmal alles gar nicht so negativ, sondern eigentlich nur sinnvoll oder? Aber wie läuft so eine akute Stresssituation jetzt überhaupt genau ab? In der Stresssituation von der wir grade sprechen, empfinden wir so genannten Eustress, also eine physiologisch, positive Stressreaktion, so wie sich die Evolution das gedacht hat. Dieser Vorgang lässt sich in 4 Phasen einteilen.

Orientierungsphase: Stressor wird wahrgenommen
⇒ wir bemerken den Säbelzahntiger

Aktivierungsphase: Adrenalinausschüttung und Leistungssteigerung
⇒ wir machen uns bereit zu reagieren

Anpassungsphase: Körper hat auf Auslöser regiert, ist angepasst
⇒ Adrenalin geht zurück, Leistungsfähigkeit bleibt
⇒ wir greifen den Säbelzahntiger an oder fliehen

Erholungsphase: Rest and Digest: Leistungsfähigkeit nimmt ab und Ressourcen werden erneuert
⇒ Verdauung wird angeregt
⇒ wir haben den Tiger erlegt und lassen ihn über einem schönen Feuerchen schmoren, während wir faul in der Ecke liegen und uns erholen

 

Festzuhalten ist auf jeden Fall, dass Stress eine ausgeklügelte Erfindung der Evolution ist. Ohne Stress bzw. ohne Adrenalin wäre doch das Leben auch ziemlich langweilig oder nicht? Nach einer überstandenen Stresssituation schüttet der Körper außerdem Glückshormone aus. Deswegen setzten wir uns Achterbahnen oder halten Vorträge vor Mengenmengen oder noch bekloppter laufen 400m! 😀 Nicht umsonst gibt es den Ausdruck „Adrenalin-Junkies“. Positiv ist das Ganze allerdings nur, wenn nach der akuten Stresssituation auch wirklich die Erholungsphase folgt. Wir haben so viel Energie benötigt, das muss auch alles wieder aufgefüllt werden. Geschieht dies nicht, dann wird der Stress vom Freund zum Feind. Wie genau das abläuft und was Stress eben auch wirklich für negative Folgen haben kann wird Thema im nächsten Artikel werden.

Liebe Grüße,

Michelle

 

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