Aufgeben?! – Ego gegen Körper

Na los weiter, du willst doch wohl jetzt nicht aufgeben! Wenn du jetzt aufhörst, dann war das ganze Schwitzen und Anstrengen für umsonst. Das Training bringt gar nichts wenn du jetzt aufgibst! Let’s do this, go on!

Kommt euch die Stimme bekannt vor?

80% des Laufprogramms sind geschafft, die Oberschenkel brennen, Puls von 160 und dann fängt es plötzlich an in den Waden zu ziepen, im Knie zu Zwicken, im Beuger zu ziehen etc.. Ihr wisst was ich meine.

Aber ist Aufhören, dann gleich Aufgeben? Oder Schade ich meinem Körper mehr, als dass es mir was bringt, das Laufprogramm durchzuziehen?

Aufgeben –  dieses Wort liegt ständig in der Luft.

3329_DSC_1032_h0ex5qWer als leistungsorientierter Läufer unterwegs ist, wird nur zu gut wissen wovon ich spreche. Generell haben wir Sportler, diese These möchte ich jetzt einfach mal in den Raum stellen,  ein anderes Schmerzempfinden als Nichtsportler. Versteht mich nicht falsch, natürlich empfinden wir genauso Schmerz wie alle normalen Menschen auch, aber wir gehen anders damit um. Es wird unterschieden in Schmerzen, die einen behindern bei dem was man tut, Schmerzen, die dem Körper nicht schaden und deswegen erstmal ignoriert werden können, Schmerzen, die immer wieder kommen und damit schon sowas wie alte Bekannte geworden sind und eben Schmerzen, die etwas kaputt machen.

Ich finde dies ist die schwerste Situation, mit der man beim Sporttreiben umgehen können muss. Wenn man demotiviert ist und einfach den inneren Schweine Hund überwinden muss, um zum Training zu kommen und wirklich einfach keine Lust hat, ist das eine Sache. Natürlich ist es schwer sich dann aufzuraffen, aber viel schwerer ist die Entscheidung aufzuhören. Wenn die Demotivation droht zu gewinnen, dann kann man sich selber in den Arsch treten oder sich von Freunden, Trainingspartnern, Trainern und Co. treten lassen. Tipps dafür findet ihr auch bald hier. Aber niemand kann dir sagen, wann du aufhören sollst.

Diese Entscheidung kann dir niemand abnehmen, man muss sie ganz alleine treffen. „Du bist alt genug und wir können nicht in dich reingucken.“ Die Lieblingsworte meines Trainers bezügliches dieses Themas, wenn ich mich wegen eines Schmerzes beklage und von ihm die Entscheidung aufzuhören oder weiter zu machen abgenommen haben will. Aber er hat ja recht! Alleine ich selber kann beurteilen, um welchen Schmerz es sich handelt und ob ich mit ihm weiter trainieren kann oder eben nicht. Dies geht nur wenn man seinen Körper kennt.
Aber man muss das nicht nur erkennen. Dies ist die leichtere Hürde. Ist diese geschafft muss auch noch die Diskussion gegen das Ego gewonnen werden… Da hilft nur verinnerlicht zu haben, dass aufhören NICHT aufgeben ist!!!!
Leichter gesagt als getan. Ich muss zugeben, dass ich damit lange ziemlich Probleme hatte und teils immer noch habe. Der Gedanke nicht gut genug trainiert zu haben, wenn ich aufhöre und mich dann schwach zu fühlen. Aber das ist falsch, seinen Körper zu kennen und damit seine Stärken und Schwächen und dann auch noch darauf zu reagieren, wenn er einem sagt, dass er grade nicht mehr kann, dann ist das keine Schwäche sondern eine riesen Stärke.

Seinen Körper lernt man nur mit viel Zeit und Aufmerksamkeit kennen. Ich kann mittlerweile sagen, dass ich meinen Körper relativ gut kenne, aber das hat auch ewig gedauert und man lernt nie aus. Mit meinen normalen Wehwehchen weiß ich also ganz gut umzugehen, aber sobald ein Zwicken oder Ziehen an einer anderen Stelle auftaucht, was leider aktuell meinem Knie entspricht, werde ich wieder unsicher und weiß nicht genau was ich jetzt alles mit diesem Schmerz machen kann und was eher nicht. Mir hilft es dann, wenn ich ein paar Mal öfter in mich hinein horche, allerdings werde ich dann auch relativ schnell paranoid…Deswegen hat dann auch ein Besuch beim Sportarzt Klarheit gebracht. Ich kann mit meinem Knie grade nichts kaputt machen und darf schön weiter drauf trainieren. Also neue Art von Schmerz erkannt und abgespeichert.

Aber was ich hier eigentlich los werden wollte ist, dass es wirklich eine Kunst ist danach zu handeln was der Körper sagt und sich dem eigenen Ego zu wiedersetzten. Vor jedem der das schafft ziehe ich meinen Hut!
Mein Ego ist da nämlich ein harter Diskussionsgegner 😀

 

Wie sieht es mit eurem Ego aus? Bei uns beim Training haben viele mit diesem Problem zu kämpfen, auch wenn es keiner offen anspricht steht es doch im Raum. Sind wir einfach Psychos, die nicht aufhören können, oder kennt ihr diese innere Zerrissenheit auch? Wenn ja, würde ich mich freuen, wenn ihr ein paar Tipps in den Kommentaren da lasst, wie ihr damit umgeht.

Außerdem wirft sich bei dieser Gelegenheit die Frage nach dem richtigen Maß an Ehrgeiz auf. Vielleicht sind wir einfach zu ehrgeizige, dieses Thema werde ich demnächst mal unter die Lupe nehmen.

 

So und jetzt werde ich auf meinen Körper hören und etwas Schoki in mich reinstopfen!

 

Liebe Grüße,

Michelle

 

2 Kommentare zu „Aufgeben?! – Ego gegen Körper

  1. Hallo Michelle,

    nach mehr als einem Jahrzehnt im ambitionierten Hobbysport bis unbezahlem Leistungssport hab ich auch so meine Erfahrungen gesammelt. Mittlerweile gibt es eine Checkliste, die ich durchgehen kann, und anhand derer ich versuche, zu beurteilen, was das beste Vorgehen ist.

    1. Wie schlimm ist der Schmerz? Es gibt natürlich Schmerzen, da sollte man einfach sofort aufhören, z.B. wenn sie den Bewegungsablauf behindern. Wenn es nicht mehr „rund läuft“ (im Wortsinne) macht man irgendwelche Ausweichbewegungen, gewöhnt sich etwas falsches an oder macht am Ende noch mehr kaputt. Eine harte Wade hingegen kann auch weh tun – aber damit kann ich immer noch gut weiterlaufen ohne zu humpeln.
    2. Wie plötzlich tritt der Schmerz ein? Wenn das Problem von jetzt auf gleich auftritt, hat sich plötzlich in meinem Körper etwas geändert. Das ist i.d.R. keine kleine Reizung, die ein bisschen schlimmer wird, wenn man drauf trainiert, sondern vielleicht ein Krampf, der zur Zerrung werden kann, oder schlimmeres (Stichwort Ermüdungsbruch usw.).
    3. Welche Struktur ist betroffen? Bei Gelenken und Knochen (was zum Glück noch nicht so oft vorgekommen ist) genauso wie bei Bändern/Sehnen bin ich deutlich vorsichtiger als bei einem strapazierten Muskel. Mit einer Zerrung kann man nach 4-6 Wochen wieder gut trainieren. Bei einem kaputten Gelenk sieht die Sache anders aus.
    4. Welche Art von Problem liegt vor? Das kann man leider nicht immer und nicht sofort identifizieren, schließlich ist man in den meisten Fällen kein Arzt. Aber einige Arten von Problemen kennt man ja nach einer Weile – ein Muskel mit viel Laktat drin fühlt sich anders an als einer mit Krampf. Laktat ist kein Grund aufzuhören, ein Krampf immer: Ein Krampf kommt selten alleine, und wenn es blöd läuft und man versucht mit einem verkrampften Muskel (auch wenn er gerade ausgedehnt ist und kurz mal nicht mehr krampft) irgendwas zu reißen – dann bye bye Muskel.

    Generell muss man sich, glaube ich, immer die Frage stellen, wie die Kosten-Nutzen-Rechnung aussieht. Unabhängig von der restlichen Erschöpfung muss das Verletzungsrisiko beurteilt und gegen den möglichen Gewinn abgewiegelt werden. Was gewinne ich, wenn ich den letzten von 8 Läufen noch mache? Wenn wir jetzt mal ehrlich sind, passiert nicht so viel, wenn man den einmal ausfallen lässt, gleichzeitig gewinnt man auch nicht viel (schon gar nicht wenn man nicht dafür bezahlt wird). Die Summe machts eben auch hier, ein Lauf mehr oder weniger macht den Kohl auch nicht fett (einer. Wenn man natürlich in jeder Einheit kneift ist das was anderes…). Aber gleichzeitig kann mich dieser eine Lauf die Saison kosten, wenn ich eine Verletzung provoziere – und das ist es dann nicht wert. Dann geh ich besser nach Hause, nehm meine Mineralien, verpass meinem malträtierten Körperteil eine Extraportion Aufmerksamkeit mit Wechselbädern oder Kühlpad und geh schlafen, damit der Körper Zeit hat zu reparieren, was auch immer er reparieren muss. Regeneration ist auch Training, und ja gar nicht mal unwichtiges. Ein Auto, das nicht gewartet wird, kriegt auch immer mehr Probleme, bis es liegen bleibt, und so ähnlich muss der Sportler mit seinem Körper umgehen – nur dass wir bloß Öl (Wasser) und Benzin (SCHOKOLADE… nein, besser noch Proteine, KH und Fett) einfüllen und der Körper die Wartung selbst übernimmt (meistens). Eigentlich praktisch, oder?

    Zuletzt kommt auch noch dazu, dass Sport Spaß machen soll – meiner Meinung nach zumindest, und auf unserem Niveau sowieso. Wir kriegen da kein warmes Wurschtbrot für, und wenn es keinen Spaß macht, warum sonst sollen wir uns das bitte antun? Ich bin mittlerweile so weit (gut, ich will auch nicht mehr zu den Deutschen Meisterschaften, was für’n Stress immer…), dass ich auch akute Unlust als Grund nehme, nicht zu laufen. Wenn ich wirklich gar keine Lust habe, wird das Training eh Mist. Dann hab ich noch weniger Lust auf das nächste… usw. Mein Glück ist, dass ich meistens schon Bock drauf hab – wenn nicht aufs Training dann auf die Truppe.

    Letztenendes ist Sport, gerade wenn man an seine Leistungsgrenze geht, abhängig von Körper, Kopf und Bauch. Wenn eins nicht mitspielt, geht es eben nicht. Aber dann muss man an dem Problem arbeiten, und sich nicht schlecht fühlen, wenn man nicht mit dem Hammer (dem 8. Lauf) auf das Problem draufhauen mag. Es wird ohnehin nur in den seltensten Fällen davon wieder kleiner.

    LG Pummeldrache

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Pummeldrache 🙂

      schön, dass dich mein Beitrag dazu angeregt hat uns deine Meinung mitzuteilen.
      Da ich mich selber noch nicht so lange in diesem sportlichen Bereich aufhalte, freut es mich um so mehr, konstruktive Beiträge von erfahrenen Sportlern/-innen zu bekommen. Obwohl ich noch nicht so lange ambitionierten Hobbysport betreibe, habe ich mich aufgrund einiger Verletzungen und einem sehr diskussionsfreudigen Ego schon des öfteren in dieser Situation befunden.

      Ich wollte mit meinem Beitrag vor allem das Bewusstsein schärfen, dass Aufhören nicht immer Aufgeben ist. Dein Kosten-Nutzen-Vergleich geht ja in etwa in die selbe Richtung. Während ich mich jetzt eher im emotionaleren Bereich aufgehalten habe, erweiterst du die Ansicht noch auf das große Ganze. Wenn man sich selber bewerten kann, wie eben durch eine Checkliste, lässt sich dieser emotionale Zustand sehr gut Rationalisieren. Durch dieses rationale Bewusstsein kommt man vielleicht auch noch eher zu einer Entscheidung, ob es vernünftiger ist auf zu hören oder weiter zu machen, da man auf einer Ebene über dem Emotionalen mit der inneren Stimme argumentieren kann.
      Dazu passend, finde deine Checkliste wirklich toll. Wenn man von seinem Körperbewusstsein in der Lage ist die Liste anständig auszufüllen, bekommt man einen guten Überblick über den Schmerz. Ein guter Indikator für jeden ist wohl vor allem die Plötzlichkeit des Schmerzes, wenn sich die anderen Aspekte der Liste nicht genau bestimmen lassen.

      Ich gebe dir Recht, der Spaß immer im Vordergrund stehen, wenn man dafür sowieso nicht bezahlt wird. Warum sich ständig quälen, wenn man im Grunde keinen Spaß an der ganzen Sache hat?
      Ich sehe die Sache mit der Unlust trotzdem etwas anders. Es kommt nicht sonderlich oft vor, dass ich partout keine Lust habe, aber wenn es vorkommt, dann zieht es sich entweder durchs ganze Training durch, oder aber es wird durch das Training extrem besser. Auf jeden Fall kann man dann danach sagen, dass man es durchgezogen hat.
      Außerdem kann die Unterstützung durch eine Trainingsgemeinschaft schon wieder sehr motivierend wirken. Genau wie du habe ich zum meinem Glück auch so eine Gruppe gefunden, die mich wieder aufbaut und anfeuert, wenn ich eigentlich nicht mehr kann. Ich kann so ein Team wirklich nur jedem ans Herz legen, denn im Team fällt alles leichter. Sei es dass man sich eher auf den Sportplatz bewegt, obwohl man vielleicht eigentlich nicht so Lust hat, die gegenseitige Motivation beim Laufen oder das rumalbern in den Pausen.
      Natürlich werden die Läufe unter genereller Lustlosigkeit nicht so gut werden wie unter totaler Motivation, aber dennoch finde ich es wichtig, sich dann zu Überwinden und es trotzdem zu machen. Danach fühlt man sich einfach gleich besser.
      Wenn sich diese Unmotiviertheit allerdings wie ein roter Faden durch das Training ziehen, sollte man wirklich etwas ändern.

      Apropos Regeneration. Es wird demnächst irgendwann auch darüber nochmal einen Beitrag geben. Ich würde mich freuen, wenn du uns auch bei diesem Thema mit deinen Erfahrungen bereichern würdest.

      Liebe Grüße,

      Michelle

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